Advent & Weihnachten

Kurze Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen: Pelle und der Stern, der nicht leuchten wollte

von Mara Lichtenau · November 2026

Manchmal braucht es abends keine dicke Weihnachtsgeschichte mit zwölf Kapiteln, sondern eine kurze. Eine, die vor dem Einschlafen noch reinpasst und trotzdem nach Weihnachten klingt. Hier ist eine neue Geschichte aus dem Weihnachtspostamt, wo der Wichtel Pelle arbeitet.

Kurz gesagt

Eine kurze Weihnachtsgeschichte für Kinder ab 4 Jahren, Vorlesezeit etwa fünf Minuten. Es geht um einen Stern, der nicht leuchten will, und darum, dass man manchmal nicht allein leuchten muss. Darunter findet ihr Fragen für das Gespräch danach und ein paar Vorlesetipps.

Vorlesezeit: ca. 5 Minuten · ab 4 Jahren

Pelle und der Stern, der nicht leuchten wollte

Auf dem Dach des Weihnachtspostamts gab es einen Stern. Er war aus Glas, so groß wie ein Wagenrad, und jeden Abend im Dezember leuchtete er hell über dem verschneiten Wald. Alle Tiere wussten: Wenn der Stern leuchtet, ist die Post für heute fertig. Dann gibt es Kakao.

Aber an diesem Abend blieb der Stern dunkel.

Pelle, der kleine Wichtel, stand mit einem Stapel Briefe in der Tür und schaute nach oben. „Komisch“, sagte er. „Der Stern leuchtet doch immer.“

Neben ihm landete Flitz, das Eichhörnchen, mit einem Satz im Schnee. „Vielleicht ist die Glühbirne kaputt“, sagte Flitz.

„Sterne haben keine Glühbirne“, sagte Pelle.

„Woher weißt du das?“

Pelle wusste es nicht. Also kletterten die beiden aufs Dach. Flitz war schneller, weil Flitz immer schneller ist. Pelle war vorsichtiger, weil das Dach rutschig war und er an diesem Tag schon zweimal hingefallen war.

Oben saß der Stern ganz still im Schnee. Er sah nicht kaputt aus. Er sah eher aus, als würde er schmollen.

„Hallo, Stern“, sagte Pelle leise. „Warum leuchtest du heute nicht?“

Zuerst kam keine Antwort. Dann ein kleines Klirren, wie wenn zwei Gläser aneinanderstoßen. „Weil es niemand merkt“, sagte der Stern. „Jeden Abend leuchte ich. Und jeden Abend schauen alle nur auf ihren Kakao.“

Flitz wurde ein bisschen rot unter dem Fell. Er hatte tatsächlich noch nie zum Stern hinaufgeschaut. Nur zur Kakaokanne.

Pelle setzte sich neben den Stern in den Schnee. Es war kalt, aber das machte nichts. „Weißt du“, sagte er, „wenn du leuchtest, wissen alle, dass sie nach Hause gehen dürfen. Die Eule findet den Weg durch den Wald. Die Rehe wissen, dass es Abend ist. Ohne dich wüsste keiner, wann Feierabend ist.“

„Wirklich?“, fragte der Stern.

„Wirklich“, sagte Pelle. „Aber vielleicht ist es zu viel, jeden Abend ganz allein zu leuchten.“

Da hatte Flitz eine Idee. Flitz hat oft Ideen, meistens schlechte. Diesmal war es eine gute. Er sauste vom Dach, rannte durch den Wald und klopfte an jede Höhle, jedes Nest und jeden Bau.

Ein paar Minuten später kamen sie. Die Eule Ottilie mit einer Laterne. Die Igelkinder mit Kerzenstummeln in Nussschalen. Die Mäuse mit einem Glühwürmchen, das eigentlich Winterschlaf hätte machen sollen und ziemlich verschlafen aussah. Alle stellten sich um das Postamt herum und hielten ihre kleinen Lichter hoch.

„Siehst du?“, sagte Pelle. „Heute leuchten wir für dich.“

Der Stern sah hinunter auf die vielen kleinen Lichter im Schnee. Und dann begann er zu glimmen, ganz vorsichtig erst, dann immer heller, bis der ganze Wald in einem goldenen Licht lag. So hell hatte er noch nie geleuchtet.

Unten klatschten die Tiere. Das Glühwürmchen gähnte. Ottilie sagte „Hu-hu“, was bei Eulen so viel heißt wie „Na also“.

Von da an schaute jeden Abend jemand zum Stern hinauf, bevor es Kakao gab. Manchmal Pelle. Manchmal Flitz. Und manchmal, ganz kurz, auch die Kakaokanne. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ende. Und jetzt: Licht aus. Oder fast.

Fragen für das Gespräch danach

Kinder wollen nach einer Geschichte oft noch etwas sagen. Diese Fragen helfen, ohne dass es nach Schule klingt:

  • Warum war der Stern traurig?
  • Wofür leuchtest du? Wer würde merken, wenn du nicht da wärst?
  • Wen könnten wir morgen mal so überraschen wie die Tiere den Stern?
  • Was hättest du als Licht mitgebracht?

Wer mag, macht daraus ein kleines Abendritual: Jeden Abend im Advent erzählt jede und jeder, wem man heute eine kleine Freude gemacht hat. Mehr Ideen dazu stehen in unserem Artikel über Advent-Rituale ohne Vorbereitung.

Tipps zum Vorlesen

  • Langsamer lesen, als man denkt. Vor allem bei den Pausen: „Aber an diesem Abend blieb der Stern dunkel.“ Dann kurz warten.
  • Stimmen sind erlaubt, aber kein Muss. Flitz darf schnell sprechen, der Stern leise. Wer sich dabei albern fühlt, lässt es. Kinder hören trotzdem zu.
  • Licht dimmen. Eine Kerze (außer Reichweite) oder eine Lichterkette passt zur Geschichte und macht aus dem Vorlesen einen kleinen Moment.
  • Wiederholen ist gut. Wenn euer Kind die Geschichte fünf Abende hintereinander hören will, ist das kein Problem. Kleine Kinder lieben es, zu wissen, was kommt.

Wie man aus dem Vorlesen ein festes Ritual macht, steht in Gutenachtgeschichten als Einschlafritual.

Buchcover „Pelle und die verlorenen Wunschzettel“ von Mara Lichtenau

Mehr Geschichten aus dem Weihnachtspostamt

Mehr von Pelle, Flitz und Ottilie: In „Pelle und die verlorenen Wunschzettel“ fliegen in der Nacht zum 1. Dezember alle Wunschzettel aus dem Weihnachtspostamt. 24 kurze Geschichten zum Vorlesen, je etwa drei Minuten lang, mit Bilderrätsel und kleiner Familienidee für jeden Tag. Für Kinder ab 5.

Häufige Fragen

Wie lang sollte eine Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen sein?

Für Kinder im Kindergartenalter sind fünf bis zehn Minuten gut. Kürzere Geschichten passen besser in den Abend und lassen Zeit für Fragen.

Ab welchem Alter eignet sich diese Geschichte?

Ab etwa vier Jahren. Jüngere Kinder können zuhören, wenn man die Bilder mit Gesten oder einer Taschenlampe begleitet.

Darf ich die Geschichte ausdrucken und in der Kita vorlesen?

Ja, zum Vorlesen in Familie, Kita oder Schule gern. Bitte nicht veröffentlichen oder verkaufen, und gern mit Hinweis auf Mara Lichtenau.

Gibt es mehr Geschichten mit Pelle?

Ja. In „Pelle und die verlorenen Wunschzettel“ gibt es 24 Geschichten, eine für jeden Tag im Advent.

Weiterlesen im Ratgeber

Alle Artikel: Advent & Weihnachten